Warum die THG-Prämie 2027 möglicherweise sinkt – trotz Reform

  • 2026-04-29
weißes auto in den Bergen

Derzeit erhalten viele Halter eines E-Autos wieder erfreulich hohe THG-Prämien. Da liegt eine Vermutung nahe: Werden die Auszahlungen 2027 sogar noch besser? Sicher ist das keineswegs. Es spricht sogar einiges dafür, dass die THG-Prämien im Jahr 2027 niedriger ausfallen könnten als das, was Sie heute angeboten bekommen.


Der Hauptgrund dafür trägt einen sperrigen Namen: Carry-Over. Gemeint sind ältere THG-Quoten, die Firmen in nachfolgende Jahre übertragen dürfen. Und genau diese Restmengen könnten 2027 erneut massiv ins Marktgeschehen eingreifen.



Was steckt hinter dem Begriff Carry-Over?

Carry-Over bedeutet schlicht: Ein Unternehmen erwirbt mehr THG-Quoten, als es im laufenden Jahr tatsächlich benötigt und schiebt den Überschuss ins Folgejahr. Betroffen sind in erster Linie Mineralölkonzerne, also jene Firmen, die Diesel und Benzin vertreiben. Sie sind gesetzlich verpflichtet, Jahr für Jahr eine bestimmte CO₂-Einsparung nachzuweisen, und greifen dafür auf THG-Quoten zurück.


Sind diese Quoten gerade preiswert zu haben, decken sich viele Unternehmen großzügig ein mehr, als der aktuelle Bedarf hergibt. Aus betriebswirtschaftlicher Sicht ist das nachvollziehbar: Sie sichern sich günstige Bestände und greifen später darauf zurück, falls die Preise wieder anziehen.


Anders ausgedrückt: Wenn THG-Quoten gerade billig sind, legen Mineralölunternehmen ein Lager an. Anstatt später teuer nachzukaufen, holen sie diese eingelagerten Quoten dann bei Bedarf hervor.



Welche Bedeutung hat das für Sie als E-Auto-Fahrer?

Wie hoch Ihre THG-Prämie ausfällt, richtet sich nach dem Marktwert der Quote. Müssen viele Unternehmen frische Quoten beschaffen, klettert die Nachfrage, und damit häufig auch Ihre Prämie. Liegen jedoch noch reichlich Altbestände in den Lagern der Konzerne, fällt der Bedarf an Neueinkäufen geringer aus. Die Nachfrage bricht ein. Und sinkende Nachfrage setzt früher oder später auch die Prämien unter Druck. Genau hier liegt das Risiko für das Jahr 2027.



Was war in den vergangenen Jahren anders?

Für die Jahre 2025 und 2026 wurde das Carry-Over begrenzt. Altüberschüsse durften also nicht im gewohnten Umfang in diese Jahre überführt werden. Der Effekt war eindeutig spürbar: Ein Teil des Altangebots wurde dem Markt zeitweise entzogen. THG-Quoten erschienen dadurch knapper, als sie es ohne diese Regelung gewesen wären. Diese künstlich erzeugte Knappheit stützte die Preise und damit auch die Prämien. Das ist der Grund, warum die Auszahlungen aktuell wieder so ansprechend wirken. Allerdings hält dieser Effekt nicht ewig.



Weshalb könnte es 2027 enger werden?

Mit Beginn des Jahres 2027 entfällt diese Begrenzung wieder. Quotenmengen, die sich in den Vorjahren angesammelt haben, gewinnen dann erneut an Gewicht. Konkret heißt das: Quoten, die 2024, 2025 und 2026 erworben oder zurückgehalten wurden, könnten 2027 zurück auf den Markt strömen. Das stellt den Markt vor ein Problem, denn ein größeres Angebot drückt für gewöhnlich auf den Preis.


Für Sie bedeutet dieser Mechanismus: 2027 fällt Ihre THG-Prämie womöglich geringer aus, auch wenn die Reform grundsätzlich in die richtige Richtung weist.



Schafft die THG-Reform hier keine Abhilfe?

Doch, die Reform wirkt durchaus. Sie verschärft den Druck auf die Mineralölbranche. Künftig müssen diese Unternehmen größere Mengen CO₂ einsparen und sind dadurch auf mehr THG-Quoten angewiesen. Eigentlich ein Argument für steigende Preise. Doch 2027 prallen zwei gegenläufige Kräfte aufeinander:


Auf der positiven Seite: Die Reform lässt den Quotenbedarf steigen.


Auf der negativen Seite: Alte Quotenbestände drängen zurück in den Markt.


Welcher dieser beiden Effekte am Ende überwiegt, bestimmt die Höhe Ihrer Prämie. Momentan blickt der Markt mit einer gewissen Zurückhaltung auf 2027. Nach derzeitigem Stand sollten Sie Prämien von rund 200 Euro pro Pkw eher als Höchstwert verstehen, nicht als verlässlichen Richtwert.



Warum ist das für Ihre Entscheidung relevant?

Viele E-Auto-Halter stellen die heutige Prämie den möglichen Auszahlungen im kommenden Jahr gegenüber. Schnell schleicht sich dabei der Gedanke ein: Mit der Reform muss 2027 doch zwangsläufig besser werden. Eine Garantie dafür gibt es allerdings nicht. Die Reform verbessert zwar die langfristigen Aussichten, kurzfristig kann das Carry-Over die Preise jedoch ausbremsen. Wenn Sie also heute eine attraktive THG-Prämie angeboten bekommen, sollten Sie nicht selbstverständlich davon ausgehen, dass 2027 noch mehr drin ist.



Einfach erklärt

Der THG-Markt verhält sich wie jeder andere Markt auch. Trifft hohe Nachfrage auf wenig Ware, ziehen die Preise an. Werden plötzlich alte Lagerbestände freigegeben, geben die Preise nach oder verharren bestenfalls auf ihrem Niveau. Genau diese Lager könnten 2027 wieder geöffnet werden. Sie sind gefüllt mit überschüssigen THG-Quoten aus den vorangegangenen Jahren.



Fazit

Die THG-Reform markiert einen bedeutenden Schritt hin zu einem stabileren Markt. Dennoch könnte Ihre THG-Prämie 2027 unter dem aktuellen Niveau für 2026 liegen. Verantwortlich dafür ist das Carry-Over: Mineralölunternehmen konnten sich in preisgünstigen Phasen zusätzliche Quoten sichern und für die Zukunft einlagern. Da das Carry-Over für 2025 und 2026 begrenzt wurde, blieb ein Teil dieser Mengen vorerst aus dem Markt. Ab 2027 dürfen diese Bestände wieder voll zur Geltung kommen.


Für Sie als E-Auto-Fahrer heißt das: 2027 wird nicht automatisch besser als 2026. Wenn Ihnen heute eine ansprechende THG-Prämie angeboten wird, sollten Sie zugreifen. Die Reform unterstützt den Markt, doch alte Quoten könnten die Prämien 2027 ausbremsen.